Warum ein Jammer GPS "sofort lahmlegt", WLAN aber kaum erreicht - die unterschätzte Physik hinter Funkstörungen

Warum GPS leichter zu stören ist als WLAN & Mobilfunk

Viele Nutzer stellen sich dieselbe Frage: Warum blockiert ein Jammer GPS-Signale oft schon auf große Distanz, während WLAN oder Mobilfunk im selben Gerät deutlich kleinere Reichweiten zeigen - obwohl die Ausgangsleistung identisch ist?

Die Antwort liegt nicht in der Leistung des Störsenders allein, sondern im Zusammenspiel aus Frequenz, Übertragungsweg, Empfängerempfindlichkeit und Systemarchitektur. Wer diese Unterschiede versteht, kann Störtechnik realistischer einschätzen - und Fehlannahmen vermeiden.


1. Unterschiedliche Funkdienste, völlig unterschiedliche Spielregeln

GPS, Mobilfunk und WLAN sehen auf den ersten Blick ähnlich aus - alles sind Funksignale. Technisch betrachtet arbeiten sie jedoch nach grundlegend verschiedenen Kommunikationsmodellen.

GPS: Ein extrem schwaches Einweg-Signal

GPS ist kein Dialog, sondern eine Einbahnstraße:

  • Satelliten senden mit begrenzter Leistung aus 20.000 km Höhe
  • GPS-Empfänger hören nur passiv zu
  • Es gibt keine Rückmeldung, keine Verstärkung, kein Handshake

Das Resultat: Das ankommende GPS-Signal liegt oft unter dem thermischen Rauschen. Moderne Empfänger rekonstruieren es mathematisch - aber jede zusätzliche Störung kippt das System sofort.

👉 Deshalb reicht schon ein relativ schwacher Jammer, um GPS auf mehreren zehn oder hundert Metern unbrauchbar zu machen.


2. Mobilfunk: Anpassungsfähig, robust - aber nicht unverwundbar

Mobilfunk (2G-5G) funktioniert völlig anders:

  • Bidirektionale Verbindung zwischen Endgerät und Basisstation
  • Dynamische Leistungsanpassung (Power Control)
  • Fehlerkorrektur, Wiederholungen, adaptive Modulation

Ein Smartphone "kämpft" aktiv gegen Störungen an, indem es:

  • die Sendeleistung erhöht
  • auf robustere Modulationsarten wechselt
  • ggf. zwischen Zellen wechselt

👉 Ergebnis: Bei gleicher Störleistung ist der effektive Jammer-Radius deutlich kleiner als bei GPS - besonders in städtischen Netzen mit vielen Basisstationen.


3. WLAN & Wi-Fi: Hohe Datenraten, geringe Fehlertoleranz

WLAN (2.4 GHz / 5 GHz) ist ein Sonderfall:

  • Sehr hohe Datenraten
  • Kurze Reichweiten
  • Geringe Störreserve

Technisch ist WLAN zwar leistungsstark, aber:

  • Empfänger sind weniger empfindlich als GPS
  • Funkzellen sind klein
  • Reflexionen, Mehrwegeausbreitung und Interferenzen dominieren

👉 Deshalb wirkt WLAN-Jamming oft lokal und punktuell, z. B. raumweise - nicht gebäudeweit.


4. Frequenz entscheidet: Warum niedrig = weit, hoch = kurz

Ein zentraler physikalischer Faktor ist die Frequenz:

Frequenzbereich Typische Systeme Eigenschaften
700-900 MHz Mobilfunk, Teile von GPS große Reichweite, gute Wanddurchdringung
1.5 GHz GPS L1 sehr schwaches Empfangssignal
2.4 GHz WLAN, Bluetooth mittlere Reichweite
5 GHz WLAN hohe Datenrate, kurze Reichweite

Je niedriger die Frequenz:

  • desto geringer die Freiraumdämpfung
  • desto besser die Durchdringung von Wänden
  • desto größer die effektive Störzone bei gleicher Leistung

👉 Das erklärt, warum ein 1-Watt Signal Jammer bei 800 MHz spürbar weiter reicht als bei 5 GHz.


5. Empfängerempfindlichkeit: Der oft unterschätzte Faktor

Nicht der Sender entscheidet allein - sondern der Empfänger:

  • GPS-Empfänger arbeiten an der physikalischen Grenze
  • WLAN- und Mobilfunkempfänger haben deutlich höhere Signalreserven
  • Moderne Chips filtern, mitteln und rekonstruieren aktiv

Ein Jammer "gewinnt", wenn:

sein Störsignal am Empfänger nur minimal stärker ist als das Nutzsignal

Bei GPS ist diese Schwelle extrem niedrig - bei Mobilfunk deutlich höher.


6. Praxisrealität: Warum Hersteller keine festen Reichweiten garantieren

Seriöse Anbieter nennen Reichweiten als Richtwerte, nicht als absolute Zahlen - aus gutem Grund:

  • Umgebung (offen vs. urban)
  • Metallflächen, Wände, Decken
  • Antennenausrichtung
  • Anzahl paralleler Funkquellen

All das verändert die Wirkung drastisch.

👉 Zwei identische Jammer können im selben Raum völlig unterschiedlich wirken.


Fazit: Gleiche Leistung ≠ gleiche Wirkung

Die große Reichweitendifferenz zwischen GPS-, WLAN- und Mobilfunk-Störung ist kein Produktmangel, sondern ein physikalisches Gesetz.

Kurz gesagt:

  • GPS ist am leichtesten zu stören
  • Mobilfunk ist adaptiv und widerstandsfähig
  • WLAN reagiert lokal und schnell

Wer Störtechnik sinnvoll einsetzen oder bewerten will, muss Frequenz, Empfänger und Übertragungsmodell gemeinsam betrachten - nicht nur die Watt-Zahl.