Revolutionieren die Biowissenschaften – Wie winzige Geräte das Verhalten freilebender Tiere entschlüsseln

Die moderne Biologie erlebt einen fundamentalen Wandel: Statt Tiere im Labor zu beobachten, ermöglichen hochpräzise Mini Sensoren heute die Forschung in freier Wildbahn – ganz ohne Verhaltensverzerrungen. Besonders im Fokus stehen dabei Fledermäuse, deren faszinierendes Navigations- und Kommunikationsverhalten bislang kaum vollständig erfasst werden konnte.

Auszeichnung für Innovation: Der Blavatnik-Preis geht an Prof. Yossi Yovel

Professor Yossi Yovel

Der israelische Neurowissenschaftler Prof. Yossi Yovel von der Universität Tel Aviv wurde jüngst mit dem renommierten Blavatnik Award for Young Scientists in der Kategorie Lebenswissenschaften ausgezeichnet. Seine Erfindung: Ein Mini-Sensor, der am Rücken von Fledermäusen angebracht werden kann und ihr Verhalten in Echtzeit überwacht.

  • GPS-Modul zur Positionsbestimmung
  • EKG- und Herzfrequenz-Sensoren
  • Ultraschallmikrofon für Sonarerkennung
  • Beschleunigungsmesser zur Bewegungserkennung

Flughunde und mentale Karten

Flughunde und Frequenzen stören

Wissenschaftler wissen jetzt, dass ägyptische Flughunde dank Yovels winziger Sensoranordnung eine mentale Karte ihrer Umgebung erstellen. Bildquelle: Weizmann Institute of Science

Mithilfe dieser Technologie bewiesen Yovels Team, dass ägyptische Flughunde sich mentale Karten urbaner Strukturen anlegen. Landmarken wie das Dizengoff Center oder die Azrieli-Türme dienen ihnen als Navigationspunkte.

Sensorik trifft auf Sonartechnik: Wie Fledermäuse Frequenzstörungen vermeiden

Besonders eindrucksvoll ist die Entdeckung zur Frequenz-Interferenz bei Myotis-Arten (Rattenschwanzfledermäuse). Obwohl sie in Gruppen fliegen und alle Echoortung nutzen, gelingt es ihnen, sich nicht gegenseitig zu stören. Die Lösung: Jedes Tier passt seine Sonarfrequenz dynamisch an, ähnlich wie Menschen in lauten Räumen eine einzelne Stimme fokussieren.

Dieses Prinzip könnte zukünftig in Anti-Jamming-Technologien für autonome Fahrzeuge oder militärische Kommunikation Einzug finden.

„Fledermäuse sind Meister der Anti Frequenzstörungen – davon können wir Menschen noch lernen“, betont Yovel.

Anwendungen über die Tierwelt hinaus

Die gewonnenen Erkenntnisse könnten langfristig in autonomen Fahrsystemen, Drohnenkommunikation oder der 5G-Interferenz vermeidung Anwendung finden – und zwar inspiriert von der Natur.